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                     „Auf der Spur verborgener Schätze"

  

„Auf der Spur verborgener Schätze" heißt das Buch, worin wunderschöne ungarndeutsche Sagen sind.
Davon ein paar für Euch!

  

Wie die Daindoler Täler entstanden sind

Am Fuße Mecsek und des Jakobsbergs, westlich von der Stadt Pécs/Fünfkirchen, strecken sich fünf Täler ganz hinein bis zu den zusammenhängenden Wäldern. In der Mitte der Täler führt je eine Landstraße. Rechts oder manchmal links wird die Straße von einem Bach begleitet. Hinter den Häusern und Preßhäusern sind auf der Anhöhe Weingarten zu sehen mit vielen schönen Obstbäumen. Dieses Gebiet wird Daindol genannt.

Daß diese Landschaft nicht immer so aussah, ist nicht zu bezweifeln. Aber wann und wodurch sich hier diese sonderbare Reihe der Täler entwickelte, wissen nur mehr die Alten und sie auch nur aus den Erzählungen ihrer Ahnen.

Vor sehr langer Zeit hauste in diesem Gebiet ein furchtbar kräftiger Riese. Wenn er dazu Lust hatte, führte er merkwürdige Sachen aus. Manchmal kratzte er große Gräben oder Gruben mit einem spitzen Felsen, der ihm in die Hände geriet, ein andermal häufte er aus Langeweile Hügel und Berge auf. Auch das war bei ihm keine besondere Sache, daß er mit seinem großen knöcherigen Pfoten unter die Felsen griff und diese manchmal hier, manchmal dort hochhob und nicht selten aufeinanderschob. Er spielte auf dem Gebiet der heutigen Baranya/Branau überall so, wie das Kind mit seinem Sandhaufen zu spielen pflegt. Die Daindoler Landschaft hat seine heutige Form diesem Riesen zu verdanken.

Diese Riese häufte einmal die Gegend des heutigen Mecsek von der Misina-Bergspitze bis zum Jakobsberg zu einem langen hohen Haufen zusammen. Als er sich danach dort irgendwo in der Gegend der Anhöhen vom heutigen Görcsöny niedersetzte und auf die Gegend zurückblickte, dachte er daran, daß man auch weiter dort unten, in dem Gebiet des heutigen Ormánság einige Hügel anhäufen sollte, denn er fand dieses Flachland sehr eintönig. Als er sich betrachtete, stürzte er sich mit seiner rechten Pfote auf diesen grabhügelförmigen hohen Berg. Nicht lange saß er aber so, denn auf einmal machte er sich auf die Beine und ging in die Richtung der Drau. Er kam nie mehr in dieser Gegend zurück.

Die Spur seiner Hand kann aber auch heute noch ein jeder dort sehen. Am Fuße des Mecsek reihen sich fünf Täler aneinander, so wie diese durch die Finger des Riesen in den Abhang des Berges hineingedrückt worden waren.

                             Märchen und Geschichte


télapó 6


der WEIHNACHTSBAUM vom WEIHNACHTSMANN

Der Weihnachtsmann ging durch den Wald. Er war ärgerlich. Sein weisser Spitz, der sonst immer lustig bellend vor ihm herlief, merkte das und schlich hinter seinem Herrn mit eingezogener Rute her.
Er hatte nämlich nicht mehr die rechte Freude an seiner Tätigkeit. Es war alle Jahre dasselbe. Es war kein Schwung in der Sache. Spielzeug und Esswaren, das war auf die Dauer nichts. Die Kinder freuten sich wohl darüber, aber quieken sollten sie und jubeln und singen, so wollte er es, das taten sie aber nur selten.
Den ganzen Dezembermonat hatte der Weihnachtsmann schon darüber nachgegrübelt, was er wohl Neues erfinden könne, um einmal wieder eine rechte Weihnachtsfreude in die Kinderwelt zu bringen, eine Weihnachtsfreude, an der auch die Großen teilnehmen würden. Kostbarkeiten durften es auch nicht sein, denn er hatte so und soviel auszugeben und mehr nicht.

So stapfte er denn auch durch den verschneiten Wald, bis er auf dem Kreuzweg war. Dort wollte er das Christkindchen treffen. Mit dem beriet er sich nämlich immer über die Verteilung der Gaben.
Schon von weitem sah er, dass  das Christkindchen da war, denn ein heller Schein war dort. Das Christkindchen hatte ein langes weißes Pelzkleidchen an und lachte über das ganze Gesicht. Denn um es herum lagen große Bündel Kleeheu und Bohnenstiegen und Espen- und Weidenzweige, und daran taten sich die hungrigen Hirsche und Rehe und Hasen gütlich. Sogar für die Sauen gab es etwas: Kastanien, Eicheln und Rüben.

Der Weihnachtsmann nahm seinen Wolkenschieber ab und bot dem Christkindchen die Tageszeit. „Na, Alterchen, wie geht's?“ fragte das Christkind. „Hast wohl schlechte Laune?“ Damit hakte es den Alten unter und ging mit ihm. Hinter ihnen trabte der kleine Spitz, aber er sah gar nicht mehr betrübt aus und hielt seinen Schwanz kühn in die Luft.
„Ja“, sagte der Weihnachtsmann, „die ganze Sache macht mir so recht keinen Spaß  mehr. Liegt es am Alter oder an sonst was, ich weiß
 nicht. Das mit den Pfefferkuchen und den Äpfeln und Nüssen, das ist nichts mehr. Das essen sie auf, und dann ist das Fest vorbei. Man müsste etwas Neues erfinden, etwas, das nicht zum Essen und nicht zum Spielen ist, aber wobei alt und jung singt und lacht und fröhlich wird.“
Das Christkindchen nickte und machte ein nachdenkliches Gesicht; dann sagte es: „Da hast du recht, Alter, mir ist das auch schon aufgefallen. Ich habe daran auch schon gedacht, aber das ist nicht so leicht.“
„Das ist es ja gerade“, knurrte der Weihnachtsmann, „ich bin zu alt und zu dumm dazu. Ich habe schon richtiges Kopfweh vom vielen Nachdenken, und es fällt mir doch nichts Vernünftiges ein. Wenn es so weitergeht, schläft allmählich die ganze Sache ein, und es wird ein Fest wie alle anderen, von dem die Menschen dann weiter nichts haben als Faulenzen, Essen und Trinken.“
Nachdenklich gingen beide durch den weißen Winterwald, der Weihnachtsmann mit brummigem, das Christkindchen mit nachdenklichem Gesicht. Es war so still im Wald, kein Zweig rührte sich, nur wenn die Eule sich auf einen Ast setzte, fiel ein Stück Schneebehang mit halblautem Ton herab. So kamen die beiden, den Spitz hinter sich, aus dem hohen Holz auf einen alten Kahlschlag, auf dem großeund kleine Tannen standen. Das sah wunderschön aus. Der Mond schien hell und klar, alle Sterne leuchteten, der Schnee sah aus wie Silber, und die Tannen standen darin, schwarz und weiß es eine Pracht war. Eine fünf Fuß hohe Tanne, die allein im Vordergrund stand, sah besonders reizend aus. Sie war regelmäßig gewachsen, hatte auf jedem Zweig einen Schneestreifen, an den Zweigspitzen kleine Eiszapfen, und glitzerte und flimmerte nur so im Mondenschein.
 
Das Christkindchen ließ den Arm des Weihnachtsmannes los, stieß  den Alten an, zeigte auf die Tanne und sagte: „Ist das nicht wunderhübsch?“
„Ja“, sagte der Alte, „aber was hilft mir das ?“
„Gib ein paar Äpfel her“, sagte das Christkindchen, „ich habe einen Gedanken.“
Der Weihnachtsmann machte ein dummes Gesicht, denn er konnte es sich nicht recht vorstellen, dass  das Christkind bei der Kälte Appetit auf die eiskalten Äpfel hatte. Er hatte zwar noch einen guten alten Schnaps, aber den mochte er dem Christkindchen nicht anbieten.
Er machte sein Tragband ab, stellte seine riesige Kiepe in den Schnee, kramte darin herum und langte ein paar recht schöne Äpfel heraus. Dann fasste er in die Tasche, holte sein Messer heraus, wetzte es an einem Buchenstamm und reichte es dem Christkindchen.
„Sieh, wie schlau du bist“, sagte das Christkindchen. „Nun schneid mal etwas Bindfaden in zwei Finger lange Stücke, und mach mir kleine Pflöckchen.“
Dem Alten kam das alles etwas ulkig vor, aber er sagte nichts und tat, was das Christkind ihm sagte. Als er die Bindfaden Enden und die Pflöckchen fertig hatte, nahm das Christkind einen Apfel, steckte ein Pflöckchen hinein, band den Faden daran und hängte den an einen Ast.
„So“, sagte es dann, „nun müssen auch an die anderen welche, und dabei kannst du helfen, aber vorsichtig, dass  kein Schnee abfällt!“
Der Alte half, obgleich er nicht wusste, warum. Aber es machte ihm schließlich Spaß , und als die ganze kleine Tanne voll von rotbäckigen Äpfeln hing, da trat er fünf Schritte zurück, lachte und sagte; „Kiek, wie niedlich das aussieht! Aber was hat das alles für'n Zweck?“
„Braucht denn alles gleich einen Zweck zu haben?“ lachte das Christkind. „Pass  auf, das wird noch schöner. Nun gib mal Nüsse her!“
Der Alte krabbelte aus seiner Kiepe Walnüsse heraus und gab sie dem Christkindchen. Das steckte in jedes ein Hölzchen, machte einen Faden daran, rieb immer eine Nuss  an der goldenen Oberseite seiner Flügel, dann war die Nuss  golden, und die nächste an der silbernen Unterseite seiner Flügel, dann hatte es eine silberne Nuss  und hängte sie zwischen die Äpfel.
„Was sagst nun, Alterchen?“ fragte es dann. „Ist das nicht allerliebst?“
„Ja“, sagte der, „aber ich weiß  immer noch nicht...“
„Komm schon!“ lachte das Christkindchen. „Hast du Lichter?“
„Lichter nicht“, meinte der Weihnachtsmann, „aber 'nen Wachsstock!“
„Das ist fein“, sagte das Christkind, nahm den Wachsstock, zerschnitt ihn und drehte erst ein Stück um den Mitteltrieb des Bäumchens und die anderen Stücke um die Zweigenden, bog sie hübsch gerade und sagte dann; „Feuerzeug hast du doch?“
„Gewiss “, sagte der Alte, holte Stein, Stahl und Schwammdose heraus, pinkte Feuer aus dem Stein, ließ  den Zunder in der Schwammdose zum Glimmen kommen und steckte daran ein paar Schwefelspäne an. Die gab er dem Christkindchen. Das nahm einen hell brennenden Schwefelspan und steckte damit erst das oberste Licht an, dann das nächste davon rechts, dann das gegenüberliegende. Und rund um das Bäumchen gehend, brachte es so ein Licht nach dem andern zum Brennen.
Da stand nun das Bäumchen im Schnee; aus seinem halbverschneiten, dunklen Gezweig sahen die roten Backen der Äpfel, die Gold- und Silbernüsse blitzten und funkelten, und die gelben Wachskerzen brannten feierlich. Das Christkindchen lachte über das ganze rosige Gesicht und patschte in die Hände, der alte Weihnachtsmann sah gar nicht mehr so brummig aus, und der kleine Spitz sprang hin und her und bellte.
Als die Lichter ein wenig heruntergebrannt waren, wehte das Christkindchen mit seinen goldsilbernen Flügeln, und da gingen die Lichter aus. Es sagte dem Weihnachtsmann, er solle das Bäumchen vorsichtig absägen. Das tat der, und dann gingen beide den Berg hinab und nahmen das bunte Bäumchen mit.
Als sie in den Ort kamen, schlief schon alles. Beim kleinsten Hause machten die beiden halt. Das Christkindchen machte leise die Tür auf und trat ein; der Weihnachtsmann ging hinterher. In der Stube stand ein dreibeiniger Schemel mit einer durchlochten Platte. Den stellten sie auf den Tisch und steckten den Baum hinein. Der Weihnachtsmann legte dann noch allerlei schöne Dinge, Spielzeug, Kuchen, Äpfel und Nüsse unter den Baum, und dann verließen beide das Haus so leise, wie sie es betreten hatten.
 
Als der Mann, dem das Häuschen gehörte, am andern Morgen erwachte und den bunten Baum sah, da staunte er und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Als er aber an dem Türpfosten, den des Christkinds Flügel gestreift hatte, Gold- und Silberflimmer hängen sah, da wusste er Bescheid. Er steckte die Lichter an dem Bäumchen an und weckte Frau und Kinder. Das war eine Freude in dem kleinen Haus wie an keinem Weihnachtstag. Keines von den Kindern sah nach dem Spielzeug, nach dem Kuchen und den Äpfeln, sie sahen nur alle nach dem Lichterbaum. Sie fassten sich an den Händen, tanzten um den Baum und sangen alle Weihnachtslieder, die sie wussten, und selbst das Kleinste, das noch auf dem Arm getragen wurde, krähte, was es krähen konnte.
Als es hell lichter Tag geworden war, da kamen die Freunde und Verwandten des Bergmanns, sahen sich das Bäumchen an, freuten sich darüber und gingen gleich in den Wald, um sich für ihre Kinder auch ein Weihnachtsbäumchen zu holen. Die anderen Leute, die das sahen, machten es nach, jeder holte sich einen Tannenbaum und putzte ihn an, der eine so, der andere so, aber Lichter, Äpfel und Nüsse hängten sie alle daran.
Als es dann Abend wurde, brannte im ganzen Dorf Haus bei Haus ein Weihnachtsbaum, überall hörte man Weihnachtslieder und das Jubeln und Lachen der Kinder.
Von da aus ist der Weihnachtsbaum über ganz Deutschland gewandert und von da über die ganze Erde. Weil aber der erste Weihnachtsbaum am Morgen brannte, so wird in manchen Gegenden den Kindern morgens beschert.



mikulások




Blinki
csillag
Eine Nikolausgeschichte von Hanne Krüger



Hoch oben am Himmel stand einmal ein ganz kleiner Stern, der hieß Blinki. Treu und brav leuchtete er jede Nacht. Es war ein ganz besonders hübscher Stern mit einem richtigen Gesicht, das natürlich aus purem Gold war. Das Besondere an Blinki war jedoch sein prächtiger, roter Rand, der Blinki eine ganz besondere Leuchtkraft gab. Er war der allerschönste Stern, der jemals am Himmel stand.

Doch er hatte immer furchtbare Langeweile. Nacht für Nacht blickte er auf die Erde hinunter, wo er die vielen Menschen sah und die Häuser und Straßen. Er wollte so gerne auch auf der Erde sein. Da bewegte sich alles und dort es würde bestimmt nicht langweilig sein.

Eines Tages kam der gute, alte Nikolaus über die Milchstraße gefahren. Schon von weitem hörte er Blinki weinen. Er hielt sein Rentiergespann an: „Na, Blinki; was hast Du denn für einen schlimmen Kummer?". Blinki wischte sich ein paar dicke Tränen aus den Augen und strahlte den Nikolaus an. - Er freute sich riesig, dass er bei ihm angehalten hatte. „Oh, lieber Nikolaus, nimm mich doch bitte mit zur Erde. Ich halte es hier vor Langeweile nicht mehr aus." Dem Nikolaus tat der kleine Blinki so leid, dass er sich überreden ließ. Er half Blinki in den goldenen Schlitten und schon ging eine wilde Fahrt die Milchstraße hinunter auf die Erde. Blinki wollte sich für die Fahrt erkenntlich zeigen und half dem Nikolaus bei der Arbeit. Der Nikolaus war doppelt so schnell fertig, wie sonst. Er hatte ja diesmal sogar Beleuchtung in den Kaminen.

Sie einigten sich darauf, dass Blinki ein Jahr lang auf der Erde bleiben durfte. Beim nächsten Geschenke austeilen sollte er noch einmal helfen und dann wieder mit nach Hause kommen. Weil er Angst um den kleinen Stern hatte, gab er ihm noch eine Flasche Himmelstrank. Den braut Petrus immer zusammen, damit der Nikolaus auf der Erde nicht krank wird. Er bekam davon immer zwei Flaschen. Diesmal hatte er nur eine verbraucht, weil er ja mit Hilfe des Sterns doppelt so schnell fertig geworden war. „Später, wenn Du wieder am Himmel stehst, darfst Du keinen einzigen Tropfen mehr davon nehmen." Mit diesen Worten verabschiedete sich der Nikolaus und fuhr mit dem Schlitten wieder davon.

Blinki wollte nun die Erde kennen lernen. Er schaute sich zuerst die Gegend an, in der er gerade war. Überall war Eis und Schnee. Dem kleinen Stern war es kalt. Sein roter Rand war schon ganz blau gefroren. Er nahm die Flasche mit dem Himmelstrank und machte sie halb leer.

Dann stapfte er durch den dicken Schnee. Weit und breit fand er keinen warmen Unterschlupf. Nur ein lautes Niesen war zu hören. Der Stern nahm an, dass es ein Mensch sei, der erkältet war und ging dem Niesen nach. Vor einem riesigen Gewässer fand er einen Seehund, der einen dicken Schal um den Hals gewickelt hatte. Neben ihm saß ein kleiner Junge in bunten Stricksachen. Der Stern gab dem Seehund einen Schluck von dem Himmelstrank. Das half sofort. Der Seehund gab dem Jungen den Schal zurück, sprang sofort ins Wasser und schwamm davon.

Blinki fragte den Jungen, wie das Land heißen würde, denn er wusste nicht, dass er am Nordpol war. Der kleine Junge sagte: „Grönland." Er war ein Eskimojunge. „Ist es hier immer so kalt?", erkundigte sich Blinki. Der Eskimojunge lachte: „Weißt Du das denn nicht? - Komm mit, ich zeig Dir unser Schneehaus. Das könnten wir nicht bauen, wenn es hier heiß würde." Blinki staunte über das tolle Schneehaus. Drinnen im Iglu (so nennen die Eskimos ihre Häuser, die sie aus Schnee selbst bauen) war es ganz warm. Der Eskimojunge lud ihn ein, doch eine Nacht bei ihm zu bleiben. Damit war der kleine Stern sofort einverstanden.

Am anderen Morgen rief der Eskimojunge ein Rentier herbei. Damit konnte der Stern weiter reiten. Das Rentier kannte natürlich nicht die ganze Welt, denn es lebt ja immer nur am Nordpol. So kam es, dass das Rentier mit Blinki nach Lappland lief. Das Rentier dachte, dies sei die ganze Welt.

Sie waren viele Wochen unterwegs, bis sie Lappland endlich erreicht hatten. Das Rentier hatte dort einen Freund. Es war ein Elch. Den wollten sie nun besuchen. Der Elch war schon sehr alt und noch nie über die Eisberge hinweggekommen. Er behauptete, die Eisberge seien das Ende der Welt. Blinki wusste es besser, war er doch schließlich mit dem Nikolaus schon überall herumgekommen.

„Woher kommst Du eigentlich?", wollte der Elch wissen. Blinki zeigte nach oben zum Himmel und erzählte von seinen Freunden, den anderen Sternen. Als ob sie ihn hätten hören können, blitzte und blinkte es von oben. Blinki blinkte zurück. Das Rentier und der Elch waren begeistert. Sie blieben noch einige Tage bei dem Elch zu Besuch. Als Blinki wieder weiterziehen wollte, lud das Rentier beide zu sich nach Hause ein. Doch der Elch fühlte sich zu alt und zu schwach für eine so weite Reise. Also zogen sie alleine weiter.

Sie waren schon eine ganze Weile unterwegs, als plötzlich ein weißer Schlitten auftauchte, vor den zwei Rentiere gespannt waren. „Blinki, wir müssen fliehen", rief das Rentier. „Es ist die Schneekönigin". Und schon war das Rentier im Schnee verschwunden. Blinki war neugierig. Er wollte unbedingt die Schneekönigin sehen. Deshalb stellte er sich stolz auf und begann herrlich zu glitzern und zu strahlen.

Die Schneekönigin hielt tatsächlich ihren Schlitten an und stieg aus. Sie sah genauso aus, wie es in dem Märchenbuch stand, aus dem Petrus immer vorlas. Nun wusste er, warum das Rentier fortgelaufen war. Er bekam große Angst. Bestimmt hatte die Schneekönigin nichts Gutes mit ihm vor. Doch nun stand sie vor ihm. Es gab kein Entkommen mehr. Ach wäre er doch nur mit dem Rentier geflohen. Die Schneekönigin lächelte ihn eiskalt an. Blinki begann zu zittern. Die Schneekönigin nahm ihn in ihre eisigen Hände und setzte ihn neben sich und schon raste der Schlitten los.

Der Stern dachte: „Vielleicht kann mich das Rentier befreien, wenn ich eine Spur hinterlasse." Also leuchtete er ganz kräftig den Schnee hinter sich an.

Tatsächlich war das Rentier aus seinem Versteck geschlichen und sah im Schnee einen aufgetauten Streifen. Den musste der Stern mit seiner Leuchtkraft hinterlassen haben. Er begriff sofort, was zu tun war und rannte dem Streifen nach.
 




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Wo wohnt der Nikolaus?

(Eine Nikolausgeschichte von Hanne Krüger und Jörg Bastmann)




télapó5„Papa, wo wohnt der Nikolaus?" fragte der kleine Jörg. Papa saß gerade am Computer und hörte mal wieder nicht richtig hin. „Weiß nicht", kam die Antwort. „Da musst Du mal die Omi fragen, die hat mir das damals auch erklärt.

Jörg fuhr mit dem Fahrrad zur Omi. Die saß jedoch auch am Computer und hatte keine Lust, Nikolausgeschichten zu erzählen. „Man Omi Du bist echt uncool sagte der kleine Jörg und klebte ihr beleidigt sein Kaugummi auf den Babbel. „Babble Gum", rief Omi und schüttelte sich. Da fiel der Kaugummi auf die Maus und dadurch ging das Computerspiel aus. Auch das Gebiss war futsch. Schließlich fand es sich auf dem Scanner wieder. Omis Lieblingsspielzeug war zerschmettert. Als Omi das Gebiss gerade greifen wollte, wurde es eingescannt. „Oh, Schreck", babbelte Omi, „wie soll ich jetzt mein Mohnbrötchen essen?"

Verzweifelt suchte sie ihre Festplatte ab und schimpfte dabei: „Du bösser, böser Junge, was hasst Du nur wieder angestellt." „Ach Omi", sagte Jörg „ich wollte doch nur wissen, wo der Nikolaus wohnt." Omi war stinksauer: „Ich habe mein Gebicss verloren und Du fragcst mich nach dem Nikolaucs. Der wird übrigencs gar nicht gut zu csprechen csein auf kleine Kinder, die Omics Gebicß eincscannen." Als Omi die Windows beenden wollte, entdeckte sie im Hintergrund ihr Gebiss. „Klasse Omi, da ist es ja", rief Jörg. „Cön", grunzte Omi „da nüccen sie mir nitz beim Kauen!"

Jörg war ein böser Junge. Er ging in die Küche, holte ein Kotelett und legte es auf den Scanner. Schwupp - weg war es - „Siehst Du Omi, so kannst Du viel schneller essen und kannst mir nebenbei erzählen, wo der Nikolaus wohnt. - Soll ich Dir noch eine Schnitte Brot einscannen? Den Kaffee kannst Du ja noch so trinken - Oder?" Jörg grinste und Omi war sprachlos. „Dein Gebiss ist jetzt als Software installiert. Jetzt müssen wir Dich nur noch mit dem Computer verkabeln, dann sind alle Deine Probleme gelöst. Du musst Dich allerdings vor einem Virenbefall hüten."

Jetzt war Omi richtig in Rage: „Diese Jugend von heute ist das Letczte, was fällt Dir blocß ein?" Omi schrieb ihrem Gebiss: „Bitte, liebes Gebiss, komm doch wieder raus." Doch das Gebiss kam nicht wieder raus. Nicht aus Laufwerk A und auch nicht aus Laufwerk D. Auch auf dem Scanner lag es nicht. In ihrer letzten Verzweiflung wollte sie den Brief an ihr Gebiss ausdrucken. Da geschah etwas ganz Schreckliches: Braunverschmiertes Endlospapier kam aus dem Drucker und zu allem Übel bäuerten beide Lautsprecherboxen. „Klasse", rief Jörg begeistert, „Nun kannst Du sogar Deine Toilette vermieten. Die brauchst Du ja nun nicht mehr." Jetzt wurde Omi unruhig und wollte es genau wissen. Sie scannte eine Schokoladenreklame aus der Zeitung ein und noch ein paar schöne Fotos aus ihrem Kochbuch. Nach einer Weile sagte sie: „Du wirst es nicht glauben; aber jetzt bin ich satt." - télapó

„Omi, darf ich heute bei Dir schlafen?" „Das fehlt mir gerade noch; wer weiß, was Du noch anrichtest." Bitte, bitte Omi, vielleicht lösen wir das Problem ja noch." Omi überlegte kurz, griff zum Telefon und rief ihren Sohn an. Der war froh, als er hörte, dass Jörg bei Omi schlafen wollte. So konnte er weiter an seinem Computer arbeiten. Doch als Omi ihm erzählte, was passiert war, bekam er einen Lachkrampf. Dabei fiel ihm der Hörer aus der Hand. Die Mutter kam aus der Küche gerannt: „Was hast Du?" Statt einer Antwort, lachte er immer lauter. Sie sah den Hörer liegen, griff danach und rief: „Hallo!" Jetzt erzählte Omi ihr die verrückte Story.

Sie glaubte kein Wort von dem, was sie hörte. Als sie aufgelegt hatte, packte sie Schlafzeug, Zahnbürste und ein Märchenbuch ein und brachte es zur Omi. „Du hast ja wirklich kein Gebiss drin", sagte sie als sie Omis Gutenabend gehört hatte. „Sag ich doch, sieh Dir nur mein Hintergrundbild an, wenn Du mir nicht glaubst." Jörg freute sich, dass er nun doch bei Omi schlafen durfte. Schnell zog er sein Schlafzeug an, bevor es sich noch jemand anders überlegen könnte. Dabei fand er das Märchenbuch. Er blätterte darin herum und fand auch eine Nikolausgeschichte - mit Bild.

„Omi, Omi, - ich glaube ich habe die Lösung". Jörg scannte das Nikolausbild ein. Als er das Buch herunternahm, war das Bild von der Seite verschwunden. Omi schaute wieder im Hintergrund nach. Da stand wahrhaftig der Nikolaus und kramte in seinem Sack. Omi schrieb: „Lieber, guter Nikolaus, rücke meine Zähne raus." Der Nikolaus auf dem Monitor grinste und holte ein kleines Päckchen raus. Plötzlich wurde der Drucker aktiviert und klickediklick - fielen alle Zähne einzeln raus.

„So eine Gemeinheit", schrie Omi und scannte die Zähne gleich wieder ein. Der Nikolaus grinste sie aus dem Hintergrund listig an. Omi schrieb: „Du gemeiner Nikolaus, rücke mein ganzes Gebiss wieder raus." Da ertönte die Stimme aus dem Lautsprecher: „Was willst Du denn, Zähne oder Gebiss oder was?" „Gebiss", sabberte Omi. Der Drucker wurde wieder aktiviert und tatsächlich kam auch das Gebiss wieder raus. „Endlich brauchte sie nicht mehr zu lispeln. „Siehste Jörg", sagte sie „der Nikolaus wohnt im Computer."


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